Digitale Nach­haltigkeit – Teil 1: Handys und Laptops

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Mehr und mehr verlagert sich unser Leben von der analogen Welt in die digitale:
Im Alltag hören wir Musik kaum mehr auf CD oder Vinyl, sondern streamen sie auf unserem Smartphone. Fotos und Dokumente liegen nicht mehr in Kisten, Ordnern und Alben versteckt, sondern werden in unserer Cloud gelagert. Und seit Corona findet nicht nur das Meeting, sondern zunehmend auch die Verabredung zum gemeinsamen Feierabendbier, in Videokonferenzen statt. 

Während durch all das zum einen Ressourcen eingespart werden, hinterlässt das digitale Leben aber auch deutliche Spuren in unserer Klimabilanz.

Wie wirkt sich digitales Leben auf unseren ökologischen Fußabdruck aus?

Das Positionspapier des Deutschen Bundestages zum Thema „Digitalisierung und Nachhaltigkeit“ nennt neben dem Ressourcenverbrauch für die Herstellung der Geräte auch den Verbrauch “großer Mengen grauer Energien und (fossiler) Ressourcen” für Server, Serverleistungen und Datenspeicherkapazitäten.

Diese mögen für den Verbraucher auf den ersten Blick weniger greifbar sein, sind aber keineswegs zu vernachlässigen. So sind beispielsweise Serveranlagen laut einer Studie des WWF weltweit für genauso viele CO2-Emissionen verantwortlich wie der Flugverkehr.

Will man also den Einfluss des digitalen Lebens auf das Klima näher betrachten und bewusst gegensteuern, sollten folgende Bereiche im Fokus stehen:

  1. Hardware – Der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung unserer Geräte.
  2. Software – Der kontinuierliche Verbrauch an Ressourcen während der Nutzung.

Der erste Bereich – mit dem sich dieser Artikel beschäftigt – ist an und für sich gar nicht so digital.

Dabei handelt es sich vielmehr um die Handys, Laptops & PCs, welche wir fast alle besitzen. Was den steigenden Ressourcenverbrauch für deren Herstellung angeht, sind Politik und Unternehmen genauso gefragt wie der einzelne Verbraucher.

Haben unsere Handys und Laptops ein Nachhaltigkeitsproblem?

Zur Produktion elektronischer Endgeräte sind unter anderem Edelmetalle, seltene Metalle und sogenannte seltene Erden nötig. Diese Rohstoffe sind nicht nur knapp, sondern ihr Abbau auch ökologisch bedenklich. Die Konsequenzen hierfür tragen die Bewohner der betroffenen Gebiete, welche wiederum meist in Entwicklungs- oder Schwellenländern liegen.

Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach neuen Geräten ungebremst an. 

Die Gründe: Einerseits stoßen immer mehr Menschen auf den Markt dazu. 2019 waren bereits weit über 50% der Weltbevölkerung online und nutzten digitale Endgeräte – Tendenz stark steigend.

Auf der anderen Seite werden bereits aktive Nutzer unter anderem durch technische Neuerungen und Konsumanreize dazu animiert, zu immer neuen oder zusätzlichen Endgeräten zu greifen.

Auch das Konzept der geplanten Obsoleszenz ist dafür mitverantwortlich. Dabei konstruiert der Hersteller ein Produkt bewusst so, dass dessen Verschleiß vorzeitig eintritt. Hardware lässt sich nicht reparieren, weil es schlicht keine Ersatzteile für das Gerät gibt oder aber die Nutzungsdauer eines Gerätes wird durch fehlende Software-Updates verkürzt.

Auf politischer Ebene ist Frankreich schon einen Schritt weiter. Ende Januar wurde ein Gesetz mit Maßnahmen gegen die geplante Obsoleszenz beschlossen.

Unter anderem soll damit die Verwendung von Ersatzteilen gefördert werden. Außerdem ist ab 2021 ein Reparaturfähigkeitsindex für Produkte geplant, welcher später durch einen Haltbarkeitsindex – inklusive zusätzlicher Kriterien wie Robustheit und Zuverlässigkeit eines Produktes – abgelöst werden soll.

Solange solch eine Maßnahme nicht EU-weit oder in Deutschland in Kraft tritt, liegt aktuell die Verantwortung bei den Unternehmen und den Verbrauchern.

Was kann ich als Verbraucher tun?

Gebraucht oder refurbished kaufen

Ein Smartphone oder einen Laptop gebraucht zu kaufen, ist wohl die einfachste und unmittelbarste Möglichkeit, um zusätzliche Ressourcen zur Herstellung zu vermeiden. Und auch umgekehrt sind Portale wie Ebay Kleinanzeigen auch eine hervorragende Möglichkeit, um die Lebensdauer Deiner alten Geräte zu verlängern und ganz nebenbei noch ein wenig Geld in die Haushaltskasse zu spülen.

Möchtest Du kein gebrauchtes Gerät im eigentlichen Sinne kaufen, bist Du mit Refurbished-Ware zumeist gut beraten. Diese ist entweder neuwertig oder professionell generalüberholt und bietet auch finanziell erhebliche Vorteile. Fündig wird man hier zum Beispiel bei refurbed, blau oder Apple.

Was beachten beim Neukauf?

Entscheidest Du Dich dennoch für den Kauf eines neuen Gerätes, solltest Du immer die Lebensdauer in Betracht ziehen. Hierzu solltest Du im Vorfeld folgendes recherchieren:

  • Lässt sich der Akku austauschen?
  • Kann man den Speicher aufrüsten?
  • Wie lange gibt es Software-Updates?

Zunehmend schreiben sich Hersteller außerdem auf die Fahnen, Produkte besonders nachhaltig zu produzieren. Hier gilt: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Wenn Du auf Nummer sicher gehen, und nicht auf Greenwashing hereinfallen willst, solltest Du bei deinem Kauf auf zertifizierte Nachhaltigkeitssiegel achten.

Aber Achtung! Die Anschaffung eines neuen Gerätes lohnt sich aus einer rein ökologischen Betrachtungsweise nur selten. Das unabhängige Öko-Institut hat hierzu in einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes folgendes errechnet:
Wenn Dein neues Notebook im Vergleich zum alten ca. zehn Prozent weniger Energie in der Nutzung verbrauchen würde, müsstest Du es über 80 Jahre lang nutzen, bis der Aufwand an Ressourcen für die Herstellung aufgewogen wäre. Auch bei Smartphones oder Fernsehern sei dementsprechend eine möglichst lange Nutzungsdauer sinnvoll.

Was tun mit defekten Geräten?

Ist dein Gerät defekt, solltest Du als erstes prüfen, ob eine Reparatur in Frage kommt. Ist diese beim Hersteller oder einer Werkstatt zu kostspielig, kannst Du Dich an ein Reparatur-Café wenden. In dieser Übersicht von Reparatur-Cafés findest Du über die Suchfunktion im Handumdrehen auch eines in Deiner Nähe.

Ist eine Reparatur nicht möglich, und das Gerät hat endgültig seinen Dienst getan, sollten seine Bestandteile so weit wie möglich wieder dem Rohstoffkreislauf zugeführt werden. Hier gibt es noch eine Menge Potential nach oben. Denn laut Verbraucherzentrale wird nicht einmal die Hälfte der Elektrogeräte in Deutschland recycelt. Wenn Du Dein altes Handy oder Deinen Laptop fachgerecht entsorgst, leistest Du also einen wichtigen Beitrag für die Umwelt.

  1. Erste Anlaufstelle für die Entsorgung von Elektrogeräten jeglicher Art ist immer ein Recyclinghof in Deiner Nähe. Infos zu Standorten erhältst Du bei deinem örtlichen Abfallwirtschaftsbetrieb. 
    Hier wirst Du nicht nur Dein altes Handy, sondern auch größere Geräte wie Laptops und PCs los.
  1. Möchtest Du lediglich ein kleineres Gerät, wie Dein altes Handy, entsorgen, liegt der Fall noch sehr viel einfacher. Erkundige Dich hierzu ganz einfach bei Deinem entsprechenden Mobilfunkanbieter nach einer kostenlosen Rücknahme. 
    Die Telekom zum Beispiel hat auf ihrer Seite alle entsprechenden Informationen kompakt zusammengefasst. Dort kannst Dir auch direkt ein DHL Versand-Label zur kostenlosen Versendung erstellen lassen.
  1. Alternativ kannst Du Dich mit Deinem alten Gerät auch an Elektronikfachgeschäfte wenden. Während größere Ketten diese annehmen müssen, sind kleinere Geschäfte nicht zwingend zur Rücknahme verpflichtet – können diese aber freiwillig anbieten. Wie so oft gilt auch hier: Fragen kostet zum Glück nichts.

Daten immer fachgerecht löschen

Ganz egal, ob Du Dein ausgedientes Gerät weiterverkaufst oder dem Elektroschrott zuführst: Deine Daten solltest Du nicht nur für Dich selbst sichern, sondern auch immer darauf achten, diese sachgerecht zu löschen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik hat dafür Leitfäden zum Löschen von Daten auf Festplatten sowie Smartphones zusammengestellt. 

Fazit

Die Ressourcen, die zur Herstellung digitaler Endgeräte verbraucht werden, sind oft nicht unmittelbar ersichtlich und dadurch mitunter schwer greifbar. 

Ein paar Klicks zur Recherche vor dem Kauf können sich hier aber schon richtig lohnen. Im Zweifelsfall hast Du dann durch Features wie austauschbare Ersatzteile ohnehin für eine lange Zeit Freude an Deinem Gerät. Refurbished-Produkte zeigen außerdem, dass Qualität nicht zwangsläufig teuer sein muss.

Aber auch bei Defekten oder der späteren Entsorgung kannst Du eine Menge tun, um dem zusätzlichen Verbrauch knapper Ressourcen entgegenzuwirken. Das sorgt auch bei jeder Verwendung Deiner Geräte für ein besseres Gefühl.